Fachgespräch Bauliche Barrierefreiheit

Sport ist erst in der Gemeinschaft schön. Und ein Kulturensemble lebt von der Vielfalt seiner Mitglieder. Was aber, wenn der sportbegeisterte Fan mit dem Rollstuhl nicht auf die Tribüne kommt? Was tun, wenn der Raumplan der Musikschule für Sehbehinderte nicht zu lesen ist?
Um gemeinsam Antworten auf Fragen der baulichen Barrierefreiheit zu finden, hat die Stadt Oldenburg Verantwortliche und Interessierte in Kultur- und Sportvereinen sowie Kultur- und Sporteinrichtungen eingeladen, sich mit dem Thema „Bauliche Barrierefreiheit in Kultur- und Sporteinrichtungen“ am  26. November 2019 im Kulturzentrum PFL auseinanderzusetzen. Eine 25-köpfige, kompetente Teilnehmer- und Expertengruppe fand so zum Fachgespräch zusammen.

Zugänglichkeit des Kulturzentrum PFL

Eingangs führte Irina Freese vom Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft und Hochbau der Stadt Oldenburg unter dem Gesichtspunkt der Zugänglichkeit durch das Kulturzentrum PFL. Die Architektin ist zuständig für die Planung und Umsetzung von Barrierefreiheitskonzepten. Tatsächlich hat sich baulich in letzter Zeit einiges getan im PFL: So sind die Bühnen im großen Veranstaltungssaal und im Vortragssaal künftig auch für Menschen zugänglich, die keine Treppen steigen können. Blindenleitsysteme werden im gesamten Kulturzentrum angebracht. Und auch ein tastbarer Gebäudeplan mit weiteren Hinweisen zur Zugänglichkeit ist in Vorbereitung.

Bauliche Möglichkeiten bei Sportvereinen

Ulrich Pohland, Vorstandsvorsitzender des Stadtsportbundes Oldenburg e.V., stellte bauliche Möglichkeiten und Leitsysteme vor, die in verschiedenen Sportvereinen umgesetzt worden sind. Diese sind auch in Kultureinrichtungen realisierbar. Der Bauplaner und engagierte Sportler gab zahlreiche Einblicke in seine Erfahrungen in Beratung und Planung der baulichen Barrierefreiheit. Er wies aber auch immer wieder darauf hin, dass viele Barrieren sich eher "im Kopf" der Verantwortlichen befänden. Inklusion fange eben im Denken an und sei eine Haltungsfrage, so Pohland. Da auch das "liebe Geld" eine nicht unwesentliche Rolle bei der Umsetzung von barrierefreien Bauten spielt, informierte der Fachmann über Fördermöglichkeiten, u.a. durch die KfW und den Landessportbund Niedersachsen e.V.

Inklusionspreisträger TSG Hatten-Sandkrug e.V.

Sönke Hinrichs ist Geschäftsführer der TSG Hatten-Sandkrug e.V., die 2017 den Inklusionspreis des Landessportbundes Niedersachsen e.V. verliehen bekommen hat. Er berichtete von den zahlreichen Initiativen des Vereins, die selbstbestimmte, gleichberechtigte und gleichwertige Teilnahme und Teilhabe von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung im und durch den Sport zu fördern. Er präsentierte unter anderem das Inklusionsprojekt „Miteinanders“, aus welchem sich ein Praxis-Handbuch mit Tipps zum Thema Inklusion im Sportverein entwickelt hat. Es enthält eine Sammlung von Best-Practise-Beispielen als Handreichung für Sportvereine, wie Inklusion im Sport(verein) gelingen kann. Hinrichs stellte zudem Erfolgs- und Gelingensfaktoren vor und sprach Chancen sowie Herausforderungen an, die sich während des Projektes ergeben haben. Das Handbuch ist auf der Homepage der TSG frei zugänglich.

Beispiel aus dem Kulturbereich: die neuen Räume der Musikschule

Holger Denckmann und Philipp Schlüchtermann, Leiter der Musikschule der Stadt Oldenburg, erläuterten, dass noch zahlreiche bauliche Maßnahmen anstünden, um die neuen Räumlichkeiten an der Baumgartenstraße für alle erreichbar zu machen. Zwar würde der Umzug der Musikschule in das neue Objekt schon eine Verbesserung im Vergleich zum vorherigen Zustand darstellen. Aber sowohl der Umstand, dass die Immobilie angemietet sei, als auch die derzeitige hohe Auslastung von Handwerkern im Bau würden die Umsetzung weiterer baulicher Maßnahmen verzögern. Insofern diente die Musikschule als Beispiel dafür, was es an Bestandsimmobilien noch alles zu verbessern gebe im Hinblick auf die Zugänglichkeit.

Weitere Informationen

Zum Thema Zugänglichkeit in Kultur- und Sporteinrichtungen informieren Sie auch weiterhin gerne:

Christiane Maaß, Kulturbüro, Telefon 0441 235-2319, christiane.maass(at)stadt-oldenburg.de
und
Christina Lenek, Fachdienst Sport, Telefon 0441 235-3162, christina.lenek(at)stadt-oldenburg.de